Grusel-Clowns: die Auswirkungen sind bereits jetzt dramatisch

Wie gehen Sie mit dem Thema um?

 

Ich gebe zu, ich verfolgte das Thema Grusel-Clowns letzte Woche zwar in den Medien und machte mir zu den Beweggründen der sogenannten Grusel-Clowns (auch Horror-Clowns genannt) so meine Gedanken. Aber so richtig ins Grübeln kam ich gestern, als unsere Kinder nach den Herbstferien aus der Grundschule kamen und richtige Horrorgeschichten erzählten, die den Mitschülern in den Ferien angeblich passiert waren. Es ging von „Ich bin am Wochenende drei Clowns begegnet und einer verfolgte mich sogar mit der Kettensäge“ bis „Die Killer-Clowns werden mit der Kettensäge in der Hand an Halloween an den Haustüren klingeln“. Somit ist schon mal klar, Halloween wird dieses Jahr nicht schaurig schön verlaufen und es werden noch viele aufklärende und beruhigende Gespräche bei uns zu Hause folgen.

Ähnliche Situationen schilderten mir Eltern aus dem Bekannten- und Freundeskreis, deutschlandweit.

Wie andere Eltern das Thema mit den eigenen Kindern behandeln und die Kids darüber aufklären, bleibt jedem selbst überlassen und hängt sicherlich stark von dem jeweiligen Kind ab. Wir führten gestern mit unseren Kindern (7 und 10) beim Abendessen Gespräche, was zu dem Thema Grusel-Clowns gerade da draußen los ist. Aber unsere Kinder kennen keine Bilder dazu, weder aus dem Fernsehen noch aus den sozialen Medien. Ich finde, die Kinderphantasie ist das eine, wenn dazu aber noch ein reales Bild kommt, würde es zumindest unsere Jüngste noch mehr verstören.

Als ich heute morgen unsere Tageszeitung aufschlug, sprang mir das Bild eines lächelnden Clowns ins Auge. Beim Lesen des Artikels stockte mir der Atem: „Der therapeutische Einsatz von Clowns in den Krankenhäusern sei wegen der Gruselwelle gefährdet“.

WAS? OH NEIN! Das Gefühl, welches ich dabei empfinde, ist Wut.

Jeder, der mit seinem Kind längere Zeit im Krankenhaus verbringen musste, weiß, wie wichtig die Besuche der „echten“ Clowns sind. Sie tun nicht nur dem kranken Kind gut, sondern auch dem Elternteil, welches das Kind in dieser Zeit im Krankenhaus begleitet. Für eine Weile die eigenen Schmerzen vergessen, etwas Lebensfreude zurückgewinnen, die eigenen Sorgen kurz vergessen und das eigene Kind wieder lachen zu sehen…. Unbezahlbar!!! Und das alles könnte bald nicht mehr stattfinden, weil da draußen irgendwelche Verrückten es lustig finden, sich als Clowns zu verkleiden und die Menschen zu erschrecken?!?!?

Was bewegt diese Menschen?

Über die Beweggründe dieser Menschen kann ich nur spekulieren: Dummheit? Blödheit? Falsches Verständnis für Humor? Tatsächlich böse Absichten? Das gehört wohl eher zum Fachgebiet von Psychologen und Psychiatern. Ich möchte mich diesem Thema von der anderen Seite annähern. Und zwar, wie gehe ich als Individuum mit den Videos und den Meldungen um, denen ich zum Thema Grusel-Clowns in den sozialen Netzwerken wie Youtube, Facebook etc. begegne?

 

Was kann jeder persönlich dagegen tun?

Ganz egal, was diese „Clowns“ antreibt: Ich bin der festen Überzeugung, dass man solche Videos in den sozialen Netzwerken ignoriert sollte, um diesen Spinnern die mediale Präsenz zu entziehen oder zumindest zu verkleinern. Je mehr Beachtung sie erfahren, desto mehr Trittbrettfahrer kommen hinzu. Dieses Phänomen der Grusel-Clowns lebt von der Viralität. Bei uns in der Stadt löste am Wochenende eine Meldung mit Clowns-Foto fast eine Hysterie aus, weil sie bei Facebook hundertfach geteilt wurde. Es stellte sich später heraus, dass das Foto ein Fake war.

Über die sozialen Netzwerke wie Facebook verbreiten sich solche Meldungen mit rasanter Geschwindigkeit. Vielen Benutzern bei Facebook & Co. ist leider immer noch nicht bewusst, dass sie für Verbreitung solcher Meldungen sorgen, in dem sie „nur“ auf den „Gefällt mir-Button“ unter dem Beitrag klicken, ganz egal, ob sie sich dabei für den“ Daumen nach oben“ oder „das wütende Smiley“ entscheiden. Wenn jeder von uns solche Meldungen links liegen lässt, also gar nicht darauf reagiert – weder mit Smiley, noch Kommentaren natürlich erst recht nicht mit Teilen der Meldung, verlieren die Grusel-Clowns immer mehr Bühne.

Und jeder Darsteller lebt davon, eine Bühne zu haben….

3 Kommentare

  1. Wohl mit die übelsten Auswüchse von „a few minutes of fame“ die Social Media möglich macht. In der Tat kann jeder etwas dagegen tun, wenn er sowas mit Kommentaren und Reaktionen nicht weiter aufwertet.

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  2. Stellt sich die Frage: Kann man die sozialen Medien zwingen derartige Beiträge (speziell Videos) zu löschen? Schließlich steht hier das Gemeinwohl über dem „Spass“ Einzelner. Von freier Meinungsäußerung, o. Dergleichen, kann ja sicher nicht die Rede sein.
    Da kommt mir noch die Idee mit dem „Recht am eigenen Bild“. Kann man denn den Ersteller eines Grusel-Clown Beitrages rechtlich belangen, wenn er das Opfer im öffentlichen Netz zur Schau stellt?
    Hier fehlen vermutlich Präzidenzfälle die noch nicht genug öffentlich gemacht wurden. Spätestens wenn der „Spass“ für die Täter teuer und öffentlich wird, ist der Schrecken auf der Täterseite, so hoffe ich.
    Grusel-Clowns machen eine sehr alte Kultur des fröhlich seins kaputt. Leider werden wir noch viel davon hören und leider auch noch viel mit unseren Kindern darüber reden müssen.

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  3. Das ist ja mal ein informativer, sorgfältig mit Liebe zum Detail geschriebener Artikel. Vielen Dank! 🙂

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